24. Juni 2015 in News

Die Menschheit liebt Artificial Eyes

Neues Review von „Die Menschheit“ https://www.facebook.com/pages/Die-Menschheit/1610977262481403?fref=ts

Vielen Dank für eine Plattenbesprechung mit Mehrwert. Schön, wenn sich jemand wirklich mit dem Gesamtprodukt beschäftigt und nicht nur den Pressetext googelt oder seine ablehnende Grundhaltung zum Besten gibt. Thanx!

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Street-Punk und Oi sind ja eigentlich nicht so meine Baustelle aber ich versuche es trotzdem mal.

Ich glaube ich verstehe die Romantik hinter dieser Musik und ich stelle mir zwangsläufig immer vor wie ich mit meinen besten Kumpels grölend durch die Straßen ziehe, was ich eben schon, auf eine ganz eigentümliche Art, recht romantisch finde.

Sollte ich die Intension solcher Musik total verkannt haben entschuldige ich mich und gebe zu, dass ich es eben doch nicht verstehe und auch überhaupt keine Ahnung habe.

Seit über 20 Jahren gehe ich nun schon in Fußballstadien und ich kann nicht verleugnen, dass mir ein Spiel gegen Rostock, Chemnitz oder Dresden immer lieber gewesen ist als ein Spiel gegen Sandhausen oder FSV Frankfurt.

Nicht weil ich so gerne boxe, auch wenn das sicher schon vorgekommen ist, sondern weil sich schon morgens an solchen Spieltagen dieses Kribbeln im Bauch einstellt, welches für mich einfach zu einem grandiosen Fußballereignis dazu gehört.

Und genau wie zum Beispiel die Los Fastidios liefert auch Artificial Eyes mit ihrer Platte I just want a brand-new revolution den Soundtrack zu meinem Bauchgefühl.

In solchen Momenten kommt es nicht immer darauf an ob irgendetwas hochtrabend politisch formuliert ist. Die Einfachheit ist das was zu diesem Gefühlszustand passt, ohne damit sagen zu wollen, dass Politik ausgeblendet werden soll, das soll sie nie, das kann sie auch gar nicht. Und das machen die vier Stuttgarter auch nicht, ausblenden. Sie brechen es herunter auf Gassenhauer die genau wie Antifa Hooligans eben jeder verstehen und mitsingen kann.

Das Stuttgarter Quartett, welches schon Erfahrung in Bands wie Oi! Genz, Wärters Schlechte, Produzenten der Froide und Freiboiter sammeln konnte, ist sich dabei einer Sache sehr bewusst, nämlich dass die Skinheadszene eben oft ein Problem hat. Das Problem, dass sie von den Medien immer über einen Kamm geschoren werden, das Problem der Abgrenzung zum rechten Rand oder die klare Absage an die sogenannte Grauzone, zu der die Übergänge leider all zu oft schwammig sind. Wie bekämpft man solche Probleme? Richtig, nicht mit dem Einnehmen der Opferrolle sondern mit eindeutigen Ansagen. Genau diese Art von Ansagen kommt dann auch in Fuck your attitude rüber.

Oi! Oi! Over and Out! Raus aus unserer Szene, wir haben euch durchschaut!

Außerdem geht es in den Songs um Gentrifizierung, den Chef der einen zum Banküberfall treibt, Plastik-Menschen in einer sterilen Plastik-Welt und Dämonen im Kopf.

Einen waschechten Piratensong beinhaltet die Platte dann mit Black Flag auch noch.

Und offensichtlich ist die Skinhead-Szene gar nicht so geil aufs Arbeiten wie ihr immer unterstellt wird, denn der Wille zur Revolution resultiert unter anderem aus dem Verdruss für Nix und wieder Nix zu malochen.

In Little Rich Boy bedienen sich Artificial Eyes textlich gleichermaßen bei Shame 69 (Hey little rich boy) und Ton Steine Scherben (Der Kampf geht weiter) und zum Schluss kommt dann noch eine Coverversion von We´re the boys der Freiboiter, bei denen der Gitarrist Micha früher die Segel gehisst hat.

Und da muss ich schon sagen, dieses Coverstück höre ich mir sicher in der kommenden Saison an wenn ich samstagmorgens aufwache und es zwar nicht gegen Rostock, Chemnitz oder Dresden geht aber immerhin gegen Braunschweig oder Bielefeld.

Das Coverartwork erinnert mich an Rancid und das Booklet beinhaltet alle Songs und ein paar hilfreiche Linernotes.

Für Freunde des Street-Punk und Oi sicherlich ein Must-have. Für alle anderen eine schöne Punkrock-Platte zum Mitgrölen, die es sowohl auf weißem Vinyl im schicken Klappcover und mit Download-Code als auch auf CD unter www.riotbikerecords.net zu kaufen gibt.

Oire Menschheit

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